21. Januar 2012 23:00 Uhr

Anwohner gründen Interessengruppe und wollen auf negative Aspekte der Märkte hinweisen. „Fühlen uns wenig berücksichtigt.“ Von Jens Carsten

Weißenhorn Nach dem Beschluss des Stadtrates, die Pläne für zwei Supermärkte auf der Hasenwiese weiterzuverfolgen, kritisieren Bürger die Diskussion in der Sitzung: „Wir fühlen uns zu wenig berücksichtigt“, sagt Anwohner Jürgen Tar. Aus seiner Sicht sprachen die meisten Räte zwar ausführlich über die Vorteile des Projektes, etwa kürzere Fußwege für ältere Menschen zu den Märkten. Auf die negativen Folgen wie Lärm und ein steigendes Verkehrsaufkommen sei im Rat aber nur am Rande eingegangen worden: „Die Probleme sind nicht mit genug Tiefgang behandelt worden“, so Tar. Zusammen mit rund 20 Bürgern hat er die „Interessengemeinschaft Anlieger Hasenwiese“ gegründet. Gemeinsam wollen sich die Anwohner nun Gehör verschaffen. Um Aufruhr gehe es aber nicht, sagt Tar diplomatisch: „Die Supermärkte an sich sind ja nicht schlecht – aber man sollte auch ihre Kehrseite berücksichtigen.“

In der Sitzung hatten sich die Stadträte vor rund 40 Zuhörern für einen Bebauungsplan ausgesprochen, der den Bau von zwei Supermärkten im westlichen Teil der Hasenwiese ermöglichen soll. Dem Vernehmen nach wollen Feneberg und Aldi Filialen auf dem Gelände errichten, das sich im Besitz der Wirtsfamilie Walser befindet. Die Situation vor Ort: Der Westen der Wiese ist bereits bebaut, dort befinden sich Hasenkeller und Minigolfplatz. Die Gebäude sollen einem Supermarkt weichen. Ein Zweiter soll weiter östlich auf dem Gelände entstehen, für dieses Areal gibt es noch keinen Bebauungsplan. Andere Absichten gibt es für den Osten der Hasenwiese: Die Stadt hat sich eine Fläche von 10000 Quadratmetern aus dem Besitz der Walsers gesichert, bestätigte Bürgermeister Dr. Wolfgang Fendt gestern. Die Räte hätten einem Kauf im nicht öffentlichen Teil der Sitzung zugestimmt. Zuvor hätten Stadt und Wirt die Konditionen für den Handel festgelegt. Nun müssen sie das Papier beim Notar unterzeichnen. Der Handel scheint perfekt: „Ich wüsste nicht, was noch dazwischen kommen sollte“, so Fendt. Den Kaufpreis wollte er nicht nennen.

Die Räte hatten in ihrer Sitzung lange über das Vorhaben diskutiert, lediglich Johannes Amann und Werner Weiss (beide WÜW) äußerten sich skeptisch. Sie und der Bürgermeister stimmten gegen den Plan. Rat Bruno Simmnacher (PWG) wendete sich an die Zuhörer im Saal. In der Reichenbacher Straße gebe es weniger Verkehr, wenn die Bürger ihre Kinder zu Fuß in die Schule schicken würden. Bei den Angesprochenen kam das gar nicht gut an: „Diese Sachlage allein auf Faulheit zu reduzieren, ist schon arg dünn“, urteilt Anwohner Tar.

Schnäppchenjäger könnten Schulwege unsicher machen

Rund 2000 Schüler seien in der Straße jeden Morgen zu ihren Schulen unterwegs, darunter auch kleiner Kinder. Ihr Weg könnte sich künftig mit der Anfahrtsroute eiliger Schnäppchenjäger kreuzen, befürchtet Tar: „Wenn ein Discounter ein Sonderangebot hat, stehen die Kunden oft schon morgens Schlange.“ Das in der Sitzung präsentierte Verkehrsgutachten gibt aus Sicht des Anwohners „wenig her“. So hätten die Planer etwa das „gefährliche Nadelöhr“ vor dem Rössle außer Acht gelassen. Dort käme es zu brenzligen Situationen, wenn ein Bus und ein Lastwagen aneinander vorbei fahren. „Da würde ich mein Kind bestimmt nicht alleine laufen lassen.“ Der Lastverkehr dürfte mit den neuen Märkten noch zunehmen, so Tar. Dann könnte es auch am Zebrastreifen in der Oberhauser Straße gefährlich werden: „Dieser Punkt ist kritisch, deshalb steht dort ja auch zu Beginn jedes Schuljahrs ein Polizist.“

Auch über die zu erwartenden Lieferzeiten sei in der Ratssitzung nichts zu erfahren gewesen, beklagt Tar. Schon jetzt bescherten die Lieferanten des Markts in der Kammerlanderstraße manchen Anwohnern unruhige Nächte: „Die kommen um 3 Uhr nachts, da darf man keinen leichten Schlaf haben.“

Tar stellt fest: „Wir gönnen der Familie Walser ihr Projekt.“ Die Bürger erwarteten aber, dass ein „vernünftiges Schulwegskonzept“ in den Bebauungsplan einfließt. Sie hoffen nun auf ein Treffen, das die Verwaltung veranstalten will. Bürgermeister Fendt kündigte an: „Wir werden alle Weißenhorner in die Stadthalle einladen und das Vorhaben diskutieren.“ Und fügt hinzu: „Danach werden sich die Stadträte mit jedem einzelnen Einwand auseinandersetzen.“

Protest – Hasenwiese: Bürger kritisieren Diskussion im Rat

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