Weißenhorn.  Der geplante Bau von Supermärkten in der Weißenhorner Innenstadt sorgt für Wirbel. Anwohner wollen das Vorhaben mit einem Bürgerentscheid zu Fall bringen. Auch Umweltschützer lehnen die Pläne ab

.Der Protest gegen die Supermarktpläne in Weißenhorn nimmt Fahrt auf. Gestern haben Anwohner ein Bürgerbegehren angekündigt. Sie wollen in den nächsten Wochen Unterschriften sammeln, um das Vorhaben zu verhindern. „Wir haben uns diesen Schritt gut überlegt“, sagt Jürgen Kohler, einer der Initiatoren, die in Stadtrat Johannes Amann von den Freien Wählern einen prominenten kommunalpolitischen Fürsprecher haben. Ziel sind 900 Unterschriften. In diesem Fall könnten die Supermarkt-Gegner bei der Stadt einen Antrag auf einen Bürgerentscheid stellen. Alle Weißenhorner wären dann aufgerufen, über die Pläne abzustimmen.

Wie berichtet, will ein Investor auf der Festwiese, in Weißenhorn auch Hasenwiese genannt, zwei neue Supermärkte bauen lassen, darunter einen Aldi-Markt. Noch ist die Festwiese in Besitz eines Weißenhorner Gastronomen, der sein Grundstück an Privatinvestoren und die Stadt verkaufen will. Der westliche Teil des Geländes soll an die Investoren gehen. Dort sollen die Supermärkte entstehen. Die Stadt Weißenhorn will den östlichen Teil des gut zwei Hektar großen Grundstücks kaufen. Dort könnten später einmal Wohnhäuser entstehen, heißt es im Rathaus. Konkrete Pläne dafür gibt es aber noch nicht.

Fest steht: Der Bebauungsplan für den Westseite der Festwiese steht. Der Stadtrat hat sich erst in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, das Supermarkt-Vorhaben weiter zu forcieren. Wohlwissend, dass das Projekt umstritten in der Fuggerstadt ist. „Wir haben ja gewusst, dass das Vorhaben ein geteiltes Echo in der Bevölkerung hervorruft“, sagt Burkhard Günther. Zur Unterschriftenaktion will der Weißenhorner Stadtbaumeister nichts sagen: „Da halte ich mich mal lieber zurück.“ Ebenfalls bedeckt hält sich Bürgermeister Wolfgang Fendt. Unterschriftenaktion und Bürgerentscheid seien demokratische Mittel. Da gebe es nichts zu beanstanden. Was die Festwiesen-Bebauungspläne angeht, habe es „so viele negative Rückmeldungen wie nie“ gegeben. Fendt will deshalb kein weiteres Öl ins Feuer gießen: „Wir sollten damit sachlich umgehen. Provokante Äußerungen bringen doch nichts.“

Die Befürworter der Pläne unter den Stadträten betonen: Neue Märkte auf der Festwiese verbessern entscheidend die Versorgung der Bewohner im Osten der Stadt. Der Standort sei ideal.

Die Anwohner wollen nicht länger machtlos zuschauen. Sie befürchten mehr Verkehr und Lärm – sowie eine „Verschandelung der Innenstadt“. Supermärkte auf der Festwiese, das passe nicht zusammen. Die Zufahrtsstraßen seien für eine Steigerung des Verkehrsaufkommens nicht ausgelegt. Allen voran der untere Abschnitt der Reichenbacher Straße, der sich im denkmalgeschützten Altstadtensemble befindet. Der Streckenabschnitt gleicht einem Nadelöhr, sagt Anwohner-Sprecher Jürgen Kohler: „Die Straße ist jetzt schon dermaßen überlastet und viel zu schmal für den Verkehr.“

Der Verkehr wird am Knotenpunkt Reichenbacher/Oberhauser Straße deutlich zunehmen. Chaotische Zustände aber sind dort nach Ansicht von Gutachtern nicht zu erwarten. Die Zufahrten zu den Märkten müssten von der Oberhauser Straße aus erfolgen, sagen die Experten. Die Reichenbacher Straße, an der Grund- und Hauptschule liegen, komme dafür aus Sicherheitsgründen nicht in Frage.

Unterstützung haben die Markt-Gegner unterdessen vom Bund Naturschutz erhalten. Auch deren Mitglieder befürchten ein deutlich erhöhtes Verkehrsaufkommen. Die geplante Anbindung der Märkte sei ungeeignet. Die Naturschützer fordern die Stadt auf, „von einer Bebauung des Hasenwiesen-Areals mit Supermärkten Abstand zu nehmen“, heißt es in einem Schreiben an den Bürgermeister. Die Festwiese müsse als „Begegnungsstätte, Erlebnisort und innerstädtischer Grünausläufer“ erhalten bleiben.

Vereint gegen Supermarktpläne  21.2.2012 Südwestpresse

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